Neue Lieder mit Kindern lernen.

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Die Einführungsmethode.

»So Kinder, hört gut zu« sagte ich kurz nach dem Einsingen. »Schon wieder ein neues Lied!« rief Amil, ein Kind aus Bosnien aus der 3. Klasse Volksschule, etwas empört und leicht genervt. In diesem Moment war mir sofort bewusst, dass ich fast immer die gleiche Methode verwendet habe, um ein neues Lied einzuführen. Dieses achtjährige Kind hat anhand eines kurzen Satzes sofort erkannt, was ich als nächstes vorhatte. Amil hat nicht nur genau gewusst was nun kommt, sondern auch wie ich es machen würde. So war das neue Lied für ihn nicht mehr spannend. Seine schnelle Reaktion und Langeweile hat sich unmittelbar im Raum ausgebreitet – es war Zeit etwas an meinen Methoden zu ändern. Robert Göstl bemerkt in seinem Buch Chorleitfaden: „Beim ersten Herangehen an ein gänzlich neues Stück entscheidet der Einstieg oft darüber, ob der Chor das Stück liebt, es mag, es duldet oder es nur erträgt.“ Kinder lernen in der Regel sehr schnell und damit sind nicht nur die Lieder an sich gemeint, sondern auch die Methoden und Strategien des Chorleiters für die Erarbeitung neuer Lieder. Je größer die methodische Vielfalt ist, die Chorleitern zur Verfügung steht, desto abwechslungsreicher und effektiver ist die Gestaltung der Probe.
Das heißt nicht, dass man grundsätzlich immer eine neue Methode anwenden soll, aber es ist doch von großem Vorteil, wenn die Einführung in sich bereits eine lustige und kreative Abwechslung darstellt.

Das Vorsingen
Grundsätzlich wichtig beim Vorsingen ist, dass es mit einer großen Musikalität geschieht und dass der Chorleiter das Lied in allen seinen musikalischen Parametern vollkommen beherrscht. Das gilt natürlich bei allen anderen Einführungsmethoden genauso, aber beim Vorsingen und Vorspielen ist es umso wichtiger, dass die Kinder nicht nur die Töne wahrnehmen, sondern auch die Endversion in allen Feinheiten deutlich zu hören bekommen. Aspekte wie eine deutliche Aussprache, die Beherrschung
des Textes und eine musikalische Darstellung des Inhalts sind ein Muss. Ein deutlicher dynamischer Unterschied zwischen Begleitinstrument und Singstimme erleichtert es den Kindern die Singstimme des Chorleiters besser wahrzunehmen. Lieber zu laut Vorsingen als zu laut Vorspielen, sonst gehen Text und Töne verloren. Man sollte stets bedenken, dass Kinder die feinsten Änderungen in Artikulation, Rhythmus und Phrasierung viel genauer wahrnehmen als man glauben würde, besonders etwas ältere
Volksschulkinder der dritten oder vierten Klassen.

Probier’s aus!
Jede Chorprobe ist eine Gelegenheit, Kinder auf eine neue musikalische Entdeckungsreise mitzunehmen. Vielleicht überrascht dich, wie viel Begeisterung und Lebendigkeit in deiner Gruppe entstehen kann, wenn du mal eine andere Einführungsmethode ausprobierst. Lass dich von der Neugier der Kinder inspirieren – und hab selbst Freude daran, neue Wege zu gehen! Viel Spaß beim Experimentieren! 

Suchst du nach neuen, spannenden Liedern für deinen Chor? Meine Kinderlieder „Die Wut!“ und „Die Angst“ greifen große Gefühle auf und machen sie für Kinder erlebbar. Sie laden zum Mitsingen, Fühlen und Sprechen ein – perfekt, um Emotionen spielerisch zu thematisieren. Schau sie dir an und bring frischen Wind in deine Chorproben! 

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